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18.02.2026

Offener Brief: Wir halten zusammen! Sport, Soziales und Kultur spielen sich bei den geplanten Einsparungen nicht gegenseitig aus

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
Sehr geehrte Damen und Herren des Gemeinderats,

mit großer Sorge verfolgen wir, der Rat für Kunst und Kultur Mannheim, der Sportkreis Mannheim und die LIGA der freien Wohlfahrtspflege in Mannheim, die aktuellen Diskussionen um etwaige und in Teilen bereits beschlossene Kürzungen im städtischen Haushalt. Diese betreffen in besonderem Maße die Bereiche Kultur, Sport und soziale Arbeit, und damit genau jene Säulen, die unsere Stadtgesellschaft tragen, verbinden und lebendig machen, in dem sie Menschen zusammenbringen, Austausch ermöglichen und in schweren Zeiten vielleicht auch ein bisschen Hoffnung bringen.

Wir verstehen die Notwendigkeit, auf finanzielle Herausforderungen zu reagieren. Doch diese Kürzungen machen Mannheim ärmer – ärmer auch an Angeboten für Kinder und Jugendliche, für Vereine. Der Appell an das Ehrenamt kann das nicht auffangen, denn schon jetzt ist ein großer Teil der hier geleisteten Arbeit ehrenamtlich oder wird lediglich mit einer minimalen Aufwandsentschädigung vergütet.

Künstlerinnen und Künstler sind aufgrund der aktuellen Sparzwänge verunsichert, wie lange sie ihre ohnehin schon prekär bezahlte Arbeit noch ausüben können. Langfristig werden sie in der aktuellen Debatte mehr oder weniger vergessen, kommen dann aber früher oder später in den Grundsicherungsbedarf, verlieren ggf. ihren Status in der Künstlersozialkasse und werden spätesten im Rentenalter und bei einem möglichen Pflegebedarf Kosten verursachen, die zum derzeitigen Zeitpunkt niemand einplant.

Kürzungen im städtischen Finanzhaushalt treffen die Soziale Arbeit in Mannheim typischerweise nicht linear, sondern multiplikativ: Wenn niedrigschwellige Beratung, Jugendhilfe, Quartiersarbeit, Wohnungslosen- und Suchthilfe oder Integrationsangebote reduziert werden, steigen Folgekosten in teureren Systemen (Krisenintervention, stationäre Unterbringung, Gesundheitsversorgung, Polizei/Justiz) und Problemlagen verfestigen sich. Gleichzeitig gehen präventive Wirkungen verloren, die gerade in einem vielfältigen, sozialräumlich heterogenen Umfeld zentral sind: weniger erreichbare Hilfen bedeuten mehr Abbrüche, längere Wartezeiten, höhere Eskalationsrisiken und sinkendes Vertrauen in öffentliche Infrastruktur. Unter dem Strich drohen nicht nur mehr soziale Ungleichheit und eine höhere Belastung für Familien, sondern auch wirtschaftliche Ineffizienz, weil spätere Reparaturmaßnahmen regelmäßig deutlich kostenintensiver sind als frühzeitige, gut vernetzte Sozialarbeit.

Sport ist für eine immer weniger mobile Gesellschaft sehr wichtig. Mit einem breit gefächerten Angebot können wir für alle Altersstufen ein präventives Angebot bereitstellen. Je früher Menschen Sport betreiben, desto günstiger sind die Voraussetzungen, um länger mobil und vielleicht auch selbstbestimmt leben zu können.

Unsere Institutionen sind nicht nur Kostenfaktoren, sondern Investitionen in den Zusammenhalt, in Bildung, Gesundheit und Lebensqualität. Wenn wir jetzt Strukturen schwächen, die über Jahrzehnte gewachsen sind, verlieren wir mehr als nur finanzielle Spielräume. Wir riskieren, dass Menschen arbeitslos werden. Wir erschweren eine stabile Versorgung mit einer gesellschaftlichen Infrastruktur, die Lebensfreude bietet und damit auch Mobilisierung und Aktivierung in allen Lebensaltern ermöglicht bzw. aufrechterhält.

Ein konkretes Beispiel, wie Sport – Kultur – Soziales schon heute auf einzigartige Weise zusammenwirken:

Mit Musik, Tanz, Lesungen und einem ganz individuellen Angebot für alle können wir z.B. in Pflegeeinrichtungen sehr viel bewirken und Lebensqualität zurückgewinnen. Kulturelle Angebote dienen der Aktivierung von Bewohnenden und werden als Bereicherung empfunden. Durch das Zusammenwirken von Kultur und Sport wird ein sozialer Impact erzielt – nämlich der Vereinsamung in den Pflegeeinrichtungen entgegengewirkt.

Deshalb appellieren wir an Sie: Setzen Sie gemeinsam mit uns ein Zeichen der Verantwortung und Solidarität! Suchen Sie den Dialog mit den betroffenen Akteurinnen und Akteuren, um tragfähige Lösungen zu finden, die nicht auf Kosten der sozialen, sportlichen und kulturellen Infrastruktur gehen!

Wir stehen bereit, uns konstruktiv einzubringen. Mannheim ist stark, wenn wir zusammenhalten – über alle Bereiche hinweg.

Mit freundlichen Grüßen
für den Rat für Kunst und Kultur Mannheim
Angela Wendt

für Sportkreis Mannheim e.V.
Stefan Höß, Vorsitzender

für Liga der freien Wohlfahrtspflege in Mannheim
Alexander Manz, Vorsitzender


3.12.2025

Pressestatement

Kürzung für die Freie Szene verneunfacht

RAT für Kunst und Kultur: „Das ist wirklich ein Schlag!“

Im Hauptausschuss des Gemeindesrates wurde gestern (2.12.) über eine Vorlage diskutiert, die neuerliche gravierende Kürzungen für die Freie Kulturszene beinhaltet. Dies kritisiert der RAT für Kunst und Kultur Mannheim deutlich.

„Wir verstehen nicht, warum die ursprünglich von Gemeinderat beschlossenen Kürzungen bei den Projektmitteln durch das Kulturamt von 10.000 auf knapp 90.000 erhöht wurden“, so Angela Wendt und Gerrit Bogdahn vom RAT. „Dass in der Aussprache im Hauptausschuss eine Verneunfachung der ursprünglich geplanten Kürzung nicht einmal erwähnt wurde, zeigt, welchen Stellenwert die Kultur in der Stadtpolitik derzeit hat. Die Kürzung der Projektmittel beeinträchtigt die Kulturszene deutlich. Für die Freie Szene ist diese Kürzung wirklich ein Schlag!

Es ist klar, dass die Stadt Kürzungen vornehmen muss. Und wir begrüßen ausdrücklich, dass an anderen Stellen, etwa beim Nationaltheater oder der Kunsthalle Kürzungen entschärft werden konnten. In Bezug auf die Projektmittel hätten wir uns aber eine klarere Kommunikation gewünscht. Wir haben bis gestern mit moderaten Kürzungen von 10.000 gerechnet, die für die Freie Szene ohnehin schon eine große Belastung darstellen.“


18. September 2025

Pressestatement

„Viele Projekte in der Freien Kulturszene in Gefahr“

Der RAT nimmt zu den geplanten Kürzungen im Kulturbereich Stellung

Laut Bericht des Mannheimer Morgens vom 17. September plant die Stadt Mannheim neben vielen weiteren harten Einschnitten eine dauerhafte Kürzung bei der Projektförderung im Kulturbereich um zehn Prozent.

Der Rat für Kunst und Kultur Mannheim reagiert auf diese Pläne besorgt: „Das, was Mannheims bunte und vielfältige Kulturszene auszeichnet, ermöglicht insbesondere die Projektförderung. Für viele kleine Gruppen oder Solokünstlerinnen und -künstler ist sie eine der wenigen Möglichkeiten, Projekte in Gang zu bringen. Auch die kleinen Institutionen brauchen diese Mittel, um ihre Arbeit zu machen. Hier wird schon ohne Kürzungen mit viel Engagement, aber oft prekär gearbeitet.

Uns ist klar, dass Einsparungen immer weh tun und alle ihren Teil beitragen müssen. Eine Kürzung der Projektmittel der Stadt bringt jedoch auch die Einschränkung anderer Förderungen mit sich: Künstlerinnen und Künstler können nicht einfach auf andere Finanzierungsmöglichkeiten ausweichen. Im Gegenteil: die meist notwendige Komplementärfinanzierung, also Geld, das beim Land, Bund oder der EU beantragt und in die Stadt geholt wird, ist dadurch gefährdet.

Der RAT für Kunst und Kultur ist mit den Verantwortlichen im Gespräch, um Kürzungen zu vermeiden. Wir werden diesen Prozess konstruktiv begleiten.“

Die bei der Vollversammlung am 14. Juli 2025 gewählte Leitungsgruppe des RATs für Kunst und Kultur gehören Philipp Bode, Gerrit Bogdahn, Sascha Koal, Monika-Margret Steger, Hannah Moser, Ralf Moser, Iris Rüsing, Kerstin Weinberger, Dr. Angela Wendt und Maximilian Wex an.